Neues Boda-Boda Projekt in Kenya
 
 
 
von Guido Bartels 

3 1/2 Monate war ich in Eldoret, in den Highlands des Rift Valley im Westen Kenyas. Wie in den meisten afrikanischen Ländern ist die Bevölkerung nicht homogen sondern besteht aus vielen verschiedenen Volksgruppen, die sich mehr unterscheiden als Ostfriesen und Bayern. So besteht der Hauptbevökerungsanteil in Kenya aus Kikuyu, die von der regierenden Kallenjin Minderheit unterdrückt wird. 
Seit den Clashes 1992, bei denen im Umland von Eldoret zig Kikuyudörfer als Wahlsabotage von der Regierung in Brand gesteckt wurden, ist Eldoret eine Boomtown geworden, inzwischen wohl die 4-5. größte Stadt Kenyas. Natürlich ist die Arbeitslosigkeit und Armut dementsprechend gestiegen. 
Meine Anlaufadresse war das Kip Keino Children´s Home, in dem ich eine Radwerkstatt nach dem Ugandakonzept hätte starten sollen. Es gibt einige Gründe, warum dieser Plan nicht sinnvoll war: Die älteren Kinder/Jugendliche, die als potentielle Radmechaniker in Frage gekommen wären, leben in Internaten und sind für "bessere" Jobs vorgesehen. Nur die Grundschüler sind ständig im Home. Das Home liegt 10 km vor der Stadt, im schlecht zugänglichen ländlichen Gebiet. 
Deshalb habe ich mich nach anderen Möglichkeiten für ein Fahrradprojekt umgeschaut. Ich lernte Zacharia Karigo kennen, der wie ich Tischler ist. Wir (d.h. meine Freundin Claudia und ich , die mich für einen Monat besuchte und unterstützte) bauten gemeinsam mit ihm das folgende Projekt auf: 
Wir vergeben Kleinkredite in Form von Fahrrädern, mit deren Hilfe die Projektteilnehmer ein eigenes business eröffnen. Bisher arbeiten wir mit älteren Straßenjungs (ab 16 Jahren), noch zu Hause lebenden Jugendlichen, die job- und chancenlos sind und Erwachsenen, die als Ernährer der Familie ihre Verdienstmöglichkeit verloren haben oder aus dieser Zwangslage heraus eine ausbeuterische Arbeit annehmen mußten und sich zutrauen selbständig zu arbeiten, zusammen. 
Interessierte werden (soweit vorhanden) zu Hause besucht bzw. deren Verwandte oder Vormund. Ob sie qualifiziert sind ein Radkredit zu bekommen, hängt nicht vom derzeitigen Lebensstandard ab (ob sie z.B. ein Bett besitzen oder nicht) sondern von der Lebenssituation, wieviel Kinder zu ernähren sind, wieviel Schulgebühr zu bezahlen ist, wieviel Verdiener in der Familie sind etc... 
Diejenigen, die wir als unsere Mitglieder registrieren, werden nicht mit ihrem neuen Rad allein gelassen. Wir betreuen sie weiterhin indem sie unsere Werkstatt nutzen können und wir ihnen, wenn sie sich z.B. als Boda-Boda (Fahrradtaxi) selbständig machen wollen, eine regelmäßige Einnahmequelle vermitteln. Dafür läuft momentan eine Werbeaktion an den Schulen für einen "schoolchildren bicycle transport service". 
Um kurz auf die Verkehrssituation in Eldoret einzugehen: Es gibt in Eldoret etwas mehr Autos als z.B. in Jinja. Dieser Eindruck wird zudem noch verstärkt, da die Hauptverkehrsverbindung zwischen Nairobi und Kampala durch Eldoret führt. 
Die Matatus (private Sammeltaxis, die das öffentliche Nahverkehrssystem darstellen) sind, besonders morgens und abends, brechend voll, so daß täglich Scharen zu Fuß in und aus der Stadt pilgern. Für Schulkinder ist die Chance sich einen Platz im Matatu zu erkämpfen gleich null. Einige Vororte werden von Matatus überhaupt nicht angefahren. 
Bisher gibt es keine Boda-Bodas in Eldoret. Von daher gehen wir und viele Einheimische mit denen wir geredet haben davon aus, daß dieses neue business eine gute Erfolgschance hat. Seit 1 1/2 Jahren haben sich ca. 90 professionelle Radfahrer zu EBT (Eldoret Bicycle Transport) zusammengeschlossen. Sie transportieren ausschließlich Waren auf ihren Gepäckträgern. Wir hatten bereits herzlichen Kontakt und Kooperationspläne z.B. ihr privat organisiertes Unfallversicherungssystem gemeinsam zu nutzen. Wenn unsere Mitglieder andere Ideen haben business mit dem Fahrrad zu machen z.B. EBT zu sein, oder selbsthergestellte Holzkohle vom Land in die Stadt zu bringen, oder Fotograf zu werden, oder, oder... sind sie herzlich willkommen. Jedes Mitglied hat die Möglichkeit auf einem von uns angelegtem Konto Geld zu sparen, für gesundheitliche Notfälle, oder private Anschaffungen zur Hebung des Lebensstandards, etc. 
Nachdem sich angedeutet hat, daß dies nun ein längerfristiges Projekt wird, hat die Jugendhilfe uns vorgeschlagen einen eigenen Verein zu gründen, der speziell Kenya als Projektland im Auge hat, und das wollen wir gerne tun. Um das vorgestellte System so ins laufen gebracht zu haben, hatten wir allerdings ein paar kostenintensive Investitionen, die bis jetzt aus Privatgeldern vorgelegt wurden: 
Wir haben einen Platz gekauft im größten ärmeren Stadtviertel von Eldoret und zwei Gebäude aus Lehm und Wellblech gebaut; eine 11m lange Werkstatthütte und Bicycle-garage und eine Rundhütte mit 7m Durchm., als Office und Gästehütte. 
Ab Ende Juli wird Christian Münch, der das Projekt weiterführen wird, sie als Erster bewohnen. 
Die Rundhütte hat eine zweite Etage als Schlafebene und bietet Platz für eine Gruppe, z.B. Pfadfinder, die dort einen Projektaufenthalt machen könnten. 
Bis jetzt hat diese neuzugründende Organisation, die auch schon einen Namen hat: "FairShare - FairTeilen", und auch weiterhin mit der Jugendhilfe kooperieren wird, 9 Fahrräder gekauft, die die ersten Boda-Bodas in Eldoret sind. Damit es nicht bei diesen 9 Rädern bleibt und wir auch die laufenden Kosten (faire Löhne für unsere bisher 3 afrikanischen Mitarbeiter) zahlen können, möchte ich hiermit alle Fahrrad- und Afrikabegeisterte um eine großzügige Spende für diese neue Organisation bitten. 
 

Herzlichen Dank! 

Für weitere Infos und Unterstützung: 
FairShare - FairTeilen 
c/o Claudia Frank & Guido Bartels 
Barfüßerstr. 16 
37073 Göttingen 

 
 

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