Entwicklungen

Primär werden die Spendenmittel aus Deutschland für die Beschulung und Versorgung der Kinder und Jugendlichen verwendet. Darüber hinaus werden dadurch auch unterschiedliche Projekte und Vorhaben im Heim unterstützt.

1999: Der Kontakt zu dem Kinderheim entsteht im Jahre 1999. Alexandra Münch arbeitet im Rahmen des Studiums der Sozialen Arbeit ein Semester im Mama Jane Children Care Center. Zurück in Deutschland, versucht sie Unterstützer für das Heim zu finden. Zu dieser Zeit leben 70 Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren in dem Kinderheim. Die meisten von ihnen sind Aids-Waisen. Der Speiseplan der Kinder ist eher einseitig. Obst, Eier und Milch erhalten die Kinder selten. Lernmittel fehlen. Da in den Schulen aus Kostengründen nie Kopien verteilt werden, müssen die Kinder alles von der Tafel abschreiben: Hausaufgaben, Texte, usw. Der Stifte- und Heftbedarf ist deshalb sehr groß und gegen Ende des Schulblocks streiten sich die Kinder oft um einen herumliegenden Bleistiftrest. 

2000: Erste Patenschaften werden vermittelt. Die Spenden ermöglichen einigen Kindern eine ausgewogenere Ernährung, den Schulbesuch und die Initiierung sowie Weiterführung verschiedener Projekte, z.B. einer kleinen Hühnerzucht.

2001: Den Kindern bedeutet der Kontakt zu ihren Pateneltern viel. Ein Patenkind schreibt: „Ich hätte nie gedacht, dass mir jemals jemand einen Brief schreiben würde.“ Der Austausch bereitet den Kindern und den Paten viel Freude.

2002: Die Spenden ermöglichen zahlreichen Kindern den Schulbesuch. Die Schulgebühren in Uganda sind hoch und die Schulmaterialien (Uniform, Hefte, Schreibutensilien) teuer. Außerdem wird ein Teil der Spenden benötigt, um das Wohngebäude nach einem Brand neu zu streichen und die Elektrik neu zu installieren.

2003: Die Kinder bekommen zu Weihnachten neue Kleidung sowie Schuhe und werden geimpft. Die im letzten Jahr von freiwilligen Helfern finanzierte Informationsbroschüre wird in diesem Jahr vervielfältigt. Dies trägt zu einem zunehmenden Bekanntheitsgrad des Heimes bei. Das Weideland wird komplett umzäunt. Die Infrastruktur des Heimes, insbesondere die Ausstattung der Küche und die Versorgung mit Wasser und Elektrizität, werden verbessert.

2004: Es können zusätzliche Pateneltern gewonnen werden, welche das Heim regelmäßig unterstützen. Es wird ein Landstück für den Gartenbau erworben, zwei weitere Kälber (als Ersatz für zwei gestohlene Kälber) und ein Computer für das Büro gekauft (da der alte kaputt war) sowie beschädigte Elektro- und Wasserinstallationen repariert. Die Heimleiterin Agnes Nabawanga ist im April in Deutschland zu Besuch. Einige Unterstützer*innen nutzen die Möglichkeit, sie kennen zu lernen. Die lokale Zeitung „Gäubote“ sowie der regionale (Landkreis Böblingen) Fernsehsender RTV berichten.

2005: Drei zusätzliche Mitarbeiter*innen im Bereich der Küche, der Schneiderei und der Kinderbetreuung werden eingestellt. Die Betten der Kinder und Beschäftigten werden mit Moskitonetzen ausgestattet, die Hühnerzucht wird ausgebaut.

2006: Durch die angestiegene Kinderzahl müssen im Heim die Räumlichkeiten angepasst werden. Es werden wichtige Renovierungs- und Umbauarbeiten realisiert (bspw. Errichtung eines Hühnerstalls, sowie eines Computer- und Lagerraums) und notwendige Einkäufe getätigt (Kochutensilien, Bettwäsche etc.). Ein renovierungsbedürftiges Gebäude wird gekauft, um ein Gästehaus einzurichten. Erwachsene Waisen sollen dort beschäftigt werden und zusätzliches Einkommen erwirtschaften.

2007: Das Gästehaus wird renoviert. Die Hühnerzucht verläuft erfolgreich, es können Eier auf dem Markt verkauft werden und die Kinder bekommen samstags und sonntags ein Ei zu essen. Das Gelände der Viehzucht wird neu umzäunt, nachdem zwei Kühe gestohlen, die Umzäunung zerstört sowie die Zaunpfosten entwendet wurden. Ab diesem Jahr soll allen Waisen, die das 18.Lebensjahr vollendet haben, die Möglichkeit gegeben werden, in ihre Heimatgemeinden zurückzukehren. Das ugandische Sozialamt verfolgt damit das Ziel, den jungen Erwachsenen ein selbständiges Leben zu ermöglichen und Verwandte in die Verantwortung zu nehmen. Den jungen Erwachsenen wird ein Startkapital mitgegeben. Die Kinder erhalten, wenn möglich, das Vermögen der verstorbenen Eltern.

2008: Die schulischen Leistungen der Kinder sind insgesamt gut. Kinder mit schulischen Schwierigkeiten erhalten Nachhilfe. Zwei Studenten bestehen das Universitätsexamen. Eine junge Frau schließt ihre Ausbildung zur Erzieherin ab und wird in der Nursery School des Kinderheimes angestellt. Ein junger Mann findet nach abgeschlossener Ausbildung zum Installateur eine Anstellung in Kampala. Weitere Jugendliche beginnen ihre Ausbildungen bzw. führen diese weiter. Zwei Studenten wird es ermöglicht, sich an der Makarere Universität in Kampala einzuschreiben. Vier inzwischen erwachsene Waisenkinder werden aus dem Heim entlassen und erhalten ein Startkapital von rund 200 Euro, um ihnen den Weg in die Selbständigkeit zu erleichtern.

2009:  Mittlerweile werden 106 Kinder durch das Heim unterstützt, diese besuchen die unterschiedlichsten Schulen. Einige dieser Kinder leben in Pflegefamilien oder in Unterkünften, die an weiterführende Schulen angegliedert sind. Die Betreuung und Versorgung der Kinder, sowie die Organisation der Projekte zur Sicherung des Lebensunterhaltes, werden durch 14 Mitarbeiter sichergestellt. Einige dieser Mitarbeiter*innen sind selbst als Waisenkinder im Mama Jane C.C.C. aufgewachsen. Das Team wird immer wieder durch Freiwilligenhelfer aus Europa und den USA unterstützt. Mit Unterstützung aus Deutschland wird einer jungen Frau ein Lehramts-Studium ermöglicht. Dadurch, dass die Arbeitsmarktsituation schwierig ist, benötigen erwachsene Waisen häufig weiterhin finanzielle Unterstützung. Räume im Gästehaus werden dauerhaft vermietet. Der Ertrag im Gartenbau ist gut: rund 40 Säcke Mais sowie mehrere Säcke Bohnen werden geerntet. Toiletten und Badezimmer werden renoviert sowie Matratzen, Decken und Betttücher erneuert.

2010: Sechs Kinder absolvieren erfolgreich die Universität bzw. Ausbildungen. Im Jahr 2010 ist die Mitarbeiterfluktuation sehr hoch. Die Nursery School expandiert weiter. Die Kuhhaltung und die Hühnerzucht werden weitergeführt, jedoch leider nicht erfolgreich. Eine trächtige Kuh wird gestohlen, zwei Kühe versterben durch vergiftetes Gras. Für das Heim ist dies ein großer Verlust. Im Bemühen darum, die Gesundheit der Kinder weiter zu verbessern, wird mit dem Bau eines Krankenflügels begonnen. Dadurch könnten kranke Kinder bei ansteckenden Krankheiten von den anderen isoliert werden. Finanziert wird das Projekt durch den Bujagali Trust. Die Küchenausstattung wird repariert. Die Situation der jungen Erwachsenen, welche in ihre Heimatgemeinden zurückzukehren, ist häufig problematisch. Die Begleitung dieser Rückführung ist für die Mitarbeiter im Heim mit hohem Aufwand verbunden und vielen jungen Menschen gelingt es leider nicht, trotz eines Startkapitals eine eigene Existenz aufzubauen.

2011: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Waisenhaus betreuen 116 Waisenkinder. Fünfundsechzig von ihnen leben im Mama Jane C.C.C. bzw. in Unterkünften nahe ihres Ausbildungsortes. In Pflegefamilien werden 51 Kinder betreut. Weitere bedürftige Kinder werden materiell und finanziell unterstützt, ohne direkt im Heim eingebunden zu sein. Im Juli erscheint der erste Newsletter des Mama Jane C.C.C. mit Informationen und Aktuellem rund um das Heim. Die in der Schneider- sowie Kunsthandwerkstatt hergestellten Produkte werden in Europa und Uganda verkauft. Die Nursery School im Mama Jane C.C.C. besuchen 156 Kinder – die meisten von Ihnen kommen aus Jinja, die Nachfrage nach den Plätzen ist groß. Der Ertrag durch den Gartenbau konnte sich dieses Jahr aufgrund der starken Regenfälle (die allerdings auch zu Überflutungen führten und für einige Familien lebensbedrohlich wurden) sehen lassen: es können u.a. 50 Säcke Mais, 10 Säcke Kartoffeln sowie 10 Säcke Cassava für den Verbrauch im Heim geerntet werden. Die Hühnerzucht wird jedoch aufgrund der hohen Kosten für die Küken sowie die Futtermittel vorerst aufgegeben.

2012: Die Räume der Nursery School werden besser ausgestattet. Das Nähprojekt wird erweitert. Das Hühner- sowie Kuhaufzucht- Projekt wird wieder ins Leben gerufen. Es findet erstmalig eine Feier für die Schulabgänger statt.

2013: Die Nähwerkstatt entwickelt sich gut weiter und es werden immer mehr Produkte verkauft. Eine neue Idee, um Geld zu erwirtschaften und den Zöglingen eine Ausbildungsmöglichkeit zu bieten, ist der Aufbau eines modularen Ausbildungszentrums. Ein Problem, das immer wieder auftritt, sind ehemalige Heimkinder, die studiert haben und dann keine Arbeit finden. Trotzdem gründen sie Familien und kommen in ihrer Not auf die Heimleitung zurück, um diese um Hilfe zu bitten. Auch sind die Mittel nicht vorhanden, ausscheidende Heimkinder mit einem vernünftigen Startkapital auszustatten, was einen gelingenden Start in die Selbständigkeit sehr schwierig macht. Die Heimleiterin würde gerne zur Entlassung jedem Kind Geld für ein Stück Land geben, damit eine Selbstversorgung möglich ist. Insgesamt wird es schwerer, das Spendenaufkommen stabil zu halten und deshalb ist die Heimleitung sehr dankbar für die zuverlässige Unterstützung durch die Spender aus Deutschland.

2014: Die Projekte zur Sicherung des Lebensunterhaltes (u.a. Gartenbau, Viehzucht) entwickeln sich weiterhin gut. In der Nursery School werden mittlerweile rund 200 Kinder aus Jinja gegen eine Gebühr betreut. In der Nähwerkstatt können immer mehr Produkte (u.a. Schuluniformen) gefertigt und verkauft werden. Notwendige Renovierungen werden getätigt. Der Aufbau des modularen Ausbildungszentrums steckt in den Startlöchern. Ein freudiges Ereignis steht im Herbst an: zum ersten Mal seit Bestehen des Waisenhauses findet ein Treffen der ehemaligen Heimkinder statt. Zahlreiche „Ehemalige“ besuchen das Heim, zum Teil mit Partnern und Kindern. Es ist für alle Beteiligten ein besonderer Tag. 

2015: Das Vorhaben der Heimleitung, erwachsenen Waisen Land zur Verfügung zu stellen, wird durch eine Spende aus Deutschland realisiert. Es wird ein Landstück gekauft. Erstmalig kümmern sich die “Ehemaligen“, mittlerweile erwachsenen Waisenkinder, um die Gestaltung der Geburtstagsfeier der Heimkinder. Bei den meisten Waisenkindern ist das Geburtsdatum nicht bekannt, deshalb gibt es einmal im Jahr zur Jahresmitte für alle ein gemeinsames Fest.

2016: Die Renovierung der Gebäude auf dem erworbenen Grundstück geht vorwärts, einige ältere Heimkinder leben bereits auf dem Landstück und bewirtschaften das Land. Für die Kinder im Heim wird ein kleiner Spielplatz mit Wippe, Schaukel und Sandkasten eingerichtet. Im Gartenbau leidet die Ernte unter zu starken bzw. ausbleibenden Regenfällen. Ein großer Schock ist der Einbruch bei der Hühnerzucht auf der Farm Mpummude. Aus dem Hühnerstall werden alle Hühner geklaut und der Verbleib ist bis heute ungeklärt. Während des Einbruchs tobte ein starker Sturm und es war kein Nachtwächter zugegen. Die Anzahl der Kinder in Pflegefamilien kann durch den Einsatz der Mitarbeiter des Mama Jane C.C.C. im vergangenen Jahr weiter erhöht werden. Hintergrund ist das Programm der ugandischen Regierung “Strong beginning- a family for all children” welches zum Ziel hat, die Anzahl der Kinder in Institutionen wie dem MJCCC zu verringern und -soweit möglich- in einem familiären Umfeld unterzubringen. Doch auch wenn dies gelingt, ist eine Begleitung und Beratung der Pflegefamilien durch das Kinderheim notwendig, um einen dauerhaften Schulbesuch der Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten und bspw. frühzeitige Schwangerschaften zu verhindern. In der Nähwerkstatt werden weitere Nähmaschinen erworben. Zum Jahresende findet eine Bild-Versteigerung zugunsten des Mama Jane Children Care Centers statt. Das Bild “Mama Jane” (gemalt von der Bondorfer Künstlerin Karin Wolbold) erfreut nun für 333,33 € einen neuen Besitzer.

2017: Mit Unterstützung aus Deutschland kann die Hühnerzucht mit verbesserten Sicherheitsvorkehrungen neu starten. Ende 2017 wird ein kleiner Junge im Alter von ca. 8 Monaten an einer Kirche abgelegt aufgefunden und dann ins Heim gebracht. Mit Meldungen im Radio und mit Zetteln im Zentrum von Jinja wurde nach seinen Eltern gesucht- leider ohne Erfolg. Glücklicherweise wird recht schnell eine Patin aus Deutschland für den Kleinen gefunden.

2018: Es leben 40 Kinder im Mama Jane Children Care Center oder in Unterkünften, die an Schulen angegliedert sind. Weitere 66 Kinder sind in Pflegefamilien untergebracht, welche durch das Mama Jane Children Care Center begleitet und unterstützt werden. In Uganda werden neue Rechtsvorschriften für Kinderbetreuungszentren in Uganda erlassen und zahlreiche Organisationen stehen vor einer Schließung. Kinder- und Jugendhilfeorganisationen sind aufgefordert, sich für das Unterbringen von Waisenkindern außerhalb der Institutionen (“Resettlement-Programm”) einzusetzen. Das Mama Jane C.C.C. ist dabei sehr erfolgreich, einige Kinder können bei Verwandten, Bekannten oder in Pflegefamilien untergebracht werden. Die Mitarbeiter*innen des Heimes stellen durch Hausbesuche sicher, dass die Kinder auch im neuen Zuhause noch gut versorgt werden und eine gute Ausbildung erhalten. Die Kinder in Pflegefamilien werden weiterhin finanziell unterstützt und beraten. Pflegeaufträge in Institutionen dürfen nur noch für 3 Jahre vereinbart werden. Besonders die Schulabgänger*innen bereiten der Heimleitung Sorgen. Es ist nicht leicht, in einem Land mit so vielen jungen Menschen Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze zu finden. Im März 2018 wurde das Mama Jane C.C.C. mit unerwarteten hohen Grundsteuer- Forderungen konfrontiert. Die ugandische Regierung erhebt nun Steuern wie Grundsteuer und Sondervergütungen. Dank der Unterstützung aus Deutschland können die Forderungen zeitnah beglichen werden. Zum Geburtstagsfest freuen sich alle Kinder über neue Schuhe. Mit dem Bau des Ausbildungszentrums wird begonnen und dank der Unterstützung aus Deutschland auch der Innenausbau weiterverfolgt.

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>